Geschichtsverein Westuffeln e.V.
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Historische Straßenschilder

Historische Straßenschilder angebracht

Der Geschichtsverein Westuffeln hat im Ort historische Straßenschilder mit den früheren Bezeichnungen der Straßen, Wege, Plätze, Gassen und Winkel im und beim Dorf angebracht. Ziel ist es, die alten Bezeichnungen vor dem Vergessen zu bewahren. Viele Namen sind noch geläufig, aber einige sind schon nicht mehr bekannt. Dass es in Westuffeln auch einmal eine Holländische Straße (heute Kasseler Straße) gab, wissen noch einige, aber welcher Teil der Holländischen Straße auch Rehberg genannt wurde, ist nur noch wenigen bekannt.

Der Verein möchte die alten Straßennamen in der dörflichen Mundart, dem Westüüfelschen Platt, erhalten, so wie sie über viele Jahrhunderte im Dorf auch genannt wurden. Mengeföhre, Bäckerpohl, Dränke oder Im Fuhlloche sind Beispiele dafür. 27 blaue Straßenschilder mit weißer, nostalgischer Schrift wurden angebracht und aktuell von Unterstützern und Sponsoren der Aktion in Augenschein genommen. Bei einem Treffen im Ort dankten Vorstandsmitglieder des Vereins der Gemeinde Calden, der Raiffeisenbank eG in Westuffeln sowie der Stadtsparkasse Grebenstein für ihre Unterstützung.

Vor dem historischen Straßenschild der "Mengeföhre" in der heutigen Grebensteiner Straße v. l.: Klaus-Peter Vogt (Stadtsparkasse Grebenstein), Bürgermeister Maik Mackewitz, Hilleburg Brede, Anna Finis und Tamara Waschke-Rüddenklau (Geschichtsverein Westuffeln), Dietmar Herborth und Martin Thöne (Raiffeisenbank eG in Westuffeln)

Ausgetauscht wurden bei dieser Gelegenheit auch die bereits seit einigen Jahren vorhandenen alten Dorfansichten des Vereins, die auf Schildern mit entsprechenden Erläuterungen dargestellt werden. Dabei stehen alte Ansichten im Mittelpunkt, die heute so nicht mehr bestehen. Die Schilder wurden jeweils dort angebracht, wo der Fotograf des historischen Fotos seinen Standort hatte. Die Schilder wurden im Layout überarbeitet, farbiger gestaltet und mit einem QR-Code versehen.

Freitag, 2. September 2016

Dorfrundgang historische Straßenschilder

– Erläuterungen an den Stationen –

Begrüßung

Früher gab es praktisch keine offiziellen Straßennamen im Dorf und das ist noch gar nicht so lange her. Das Dorf wurde einfach durchgezählt. Westuffeln Nr. 1 war da, wo heute die Raiffeisenbank ist und Westuffeln Nr. 102 das Haus der Familie Rüddenklau gegenüber. Weitere Hausnummern wurden für Neubauten im Malsburger Weg und später auf der Burg vergeben. Erst nach der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre wurden Straßennamen vergeben, damit die Adressen in den verschiedenen Ortsteilen eindeutig wurden. In der Übergangszeit behielt man die alten Hausnummern bei, so dass kuriose Adressen wie „Malsburger Weg Nr. 144 1/2“ entstanden. In dieser Zeit gab es auch Straßennamen, die schnell wieder verschwanden wie „Wiesenstraße“ für die heutige Nebelbeekenstraße und den Dresdner Weg, ein Teil der „Bremer Straße“ hieß „Am Friedenshügel“ und die heutige Straße „An der Tränke“ hieß „Mittelstraße“. Wie gesagt, es war nur eine Übergangszeit. Bald darauf wurden Straßen und Hausnummern so zugeordnet, wie es auch heute noch ist.

Eine Ausnahme war auch früher schon die Holländische Straße, die als wichtige Post-, Handels- und Militärstraße durch den Ort führte und deren Name daher schon vor vielen hundert Jahren vergeben war. Dazu später mehr.

Die Straßen, Wege und Plätze im Dorf hatten von jeher ihre inoffiziellen Namen bei der Bevölkerung und da man in Westuffeln – mit Ausnahme des Pfarrers und des Lehrers – ausschließlich die Mundart, das Westüüfelsche Platt, sprach, bekamen die Straßen auch Namen in der Mundart. Diese alten Namen zu bewahren, ist das Ziel unserer Aktion „Historische Straßenschilder“. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die jetzigen Straßennamen und Adressen bleiben wie sie sind, die historischen Straßenschilder sollen nur erinnern, haben aber keine offizielle Bedeutung.

Bei unserem Projekt sind wir auf drei Schwierigkeiten gestoßen:Die Schreibweise: Für eine Mundart gibt es keine Rechtschreibung. Begriffe, die es nur in der Lautsprache gibt, sind manchmal schwer in der Schriftform darzustellen. Wir hoffen, dass wir Schreibweisen gefunden haben, die der gesprochenen Form möglichst nahe kommen.

Der Standort: Bei einigen Straßen und Wegen war nicht klar, wo sie denn beginnen und wo sie enden. Außerdem musste noch ein geeigneter Platz für das Straßenschild gefunden werden, der möglichst eindeutig kennzeichnet, welcher Straßenbereich oder –abschnitt gemeint ist.Verschiedene Bezeichnungen: Für manche Straßen gibt es verschiedene Bezeichnungen wie „Fuhles Loch“, „Im fuhlen Loch“ oder „Im Fuhlloche“. Hier mussten wir uns für eine Schreibweise entscheiden. Letztlich ist die Bedeutung immer die gleiche und wir wollten nicht drei verschiedene Straßenschilder für dieselbe Straße anbringen.



1. Müllenberch

Das erste Straßenschild ist der „Müllenberch“, auf hochdeutsch: Mühlenberg. Der Müllenberch bezeichnet genau genommen keine Straße, sondern ein früher teilweise landwirtschaftlich genutztes Gebiet, das inzwischen größtenteils bebaut ist. Mühlenberge gibt es auch in anderen Ortschaften, z. B. in Meimbressen oder Obermeiser. Hier befand oder befindet sich jeweils eine Mühle unterhalb des Berges. In Westuffeln gab es aber hier bis zum Siedlungsbeginn in den 1960er Jahren gab keine Bebauung. Denkbar und wohl auch wahrscheinlich ist, dass sich unterhalb des Mühlenberges in alten, nicht dokumentierten Zeiten einmal eine Mühle befunden und den 30-jährigen Krieg nicht überstanden hat. Eine außerhalb der Ortslage befindliche Mühle war Plünderungen umherziehender Soldatengruppen schutzlos ausgeliefert. Die Dorfmühle war durch die Ortslage besser geschützt und die Hasenmühle ist erst nach dem 30-jährigen Krieg erbaut worden.

Der 1925 gegründete Schützenverein Westuffeln hatte hier am Müllenberch seinen ersten Schießstand für das Kleinkaliber-Schießen. Als das Gebiet zum Baugebiet wurde, musste das Schützenhaus umziehen. Es wurde abgebaut, die Balken numeriert und mit Pferdefuhrwerk zur Struth gefahren und dort wieder aufgebaut. Dort steht es bis heute, wird allerdings nicht mehr zum KK-Schießen, sondern zum Bogenschießen genutzt.



2. Galgenberch und Tinkenberch

Dieser Teil des Westuffler Siedlungsgebietes der 1960er und 1970er Jahre wurde früher Galgenberch genannt. Auf einem Galgenberg, auch Galgenbühl, Galgenhügel oder Rabenstein genannt, fanden früher öffentliche Hinrichtungen von Verurteilten durch den Galgen statt. Ob es in Westuffeln entsprechende Verurteilungen gab, ist nicht bekannt. Da sich der Name so erhalten hat, spricht aber einiges dafür. In der Gemarkung Westuffeln gibt es noch heute eine Gemarkungsbezeichnung „Hinter dem Galgenberg“, dieser grenzt an den westlichen Teil des Siedlungsbereichs. Ein Pendant zum Schild Galgenberch hier am Dresdner Weg befindet sich oben auf dem Berg in der Nähe der Bushaltestelle.

Ein weiteres Schild haben wir in der Mühlenbergstraße in der Nähe der weißen Reihenhäuser angebracht und dies trägt die Aufschrift „Tinkenberch“. Als Thingplatz oder Thingstätte bezeichnet man den Ort oder Platz, an dem Volks- und Gerichtsversammlungen nach altem germanischem Recht abgehalten wurden. Der Ort oder Platz, an dem eine solche Versammlung abgehalten wurde, lag häufig etwas erhöht oder unter einem Baum (Gerichtslinde), jedoch immer unter freiem Himmel.

Das Wort Thing bedeutet seit ältester Zeit „Volks- und Gerichtsversammlung“. Der Begriff machte einen Bedeutungs- und Lautwandel durch. Thing wurde zu neuhochdeutsch Ding und neuenglisch thing. Die Bedeutung „Sache“ leitet sich von der auf der Gerichtsversammlung behandelten „Rechtssache“ ab und wurde später verallgemeinert. Im Gegensatz zu Deutschland und England erhielt sich der Begriff im Norden in beiden Bedeutungen bis heute. So heißt das isländische Parlament Althing, das dänische Folketing, das norwegische Storting und das der Färöer-Inseln Løgting. In Schweden heißen die Provinziallandtage Landsting. Amtsgerichte heißen auf Schwedisch tingsrätt, in Norwegen tingrett.

Im deutschen Wortschatz hat sich der Begriff in einigen Ableitungen wie den Adjektiven dinglich (ursprünglich „das Gericht betreffend“, heute noch in der Fügung dingliches Recht) dingfest und dingflüchtig sowie in den Ableitungen des veralteten Verbs dingen – wie gedungen, sich verdingen, sich ausbedingen, bedingt, Bedingung, unabdingbar – erhalten.

Die hohe Gerichtsbarkeit war im Mittelalter im Heiligen Römischen Reich die Gerichtsbarkeit über schwere Straftaten, die mit Verstümmelungen oder mit dem Tode bestraft werden konnten. Dies waren vor allem Straftaten wie Raub und Mord, Diebstahl, Hexerei oder Zauberei. Die Hinrichtungsformen bei einem Todesurteil unterschieden sich jeweils nach dem Verbrechen (zum Beispiel für Kindesmörderinnen das Ertränken, für Vergewaltigung der Feuertod oder für Mord das Rädern) sowie nach der Person des Verbrechers. Die Hinrichtung durch Enthaupten war beispielsweise lange Zeit eine „privilegierte“ Hinrichtungsmethode für Adelige.

Bei Straftaten, die durch Verstümmelung gesühnt werden sollten, gab es unterschiedliche Strafformen, wie das an den Pranger stellen, Abschneiden/Anschneiden von Körperteilen (zum Beispiel Ohren, Zunge), Auspeitschen oder Brandmarken.



3. Holländische Straate, De Mahlsche Wäch, Leimkuhle

Früher war an der Erpe, Name sowohl des Baches als auch der Gaststätte Engelbrecht, das Dorf zu Ende. Auf der Holländischen Straße waren im 18./19. Jahrhundert viele Reisende, Handwerker, Postkutschen und –reiter unterwegs. In Westuffeln war eine Poststation, d. h. die Pferde wurden gewechselt, die Post abgeliefert und neue Post eingeladen und auch Reisende konnten hier zu- oder aussteigen. Zeitweise waren fünf Gastwirtschaften, teilweise mit Ausspannmöglichkeiten (Remise = Reisestall), entlang der Holländischen Straße in Betrieb und es gab eine Reihe von Hufschmiedewerkstätten, die gut zu tun hatten.

Bereits 1572 wurde für Westuffeln eine Steinbrücke - für damalige Zeiten eine Seltenheit - erwähnt. Die Holländische Straße verlief von Obervellmar über Calden nach Westuffeln und entsprach im Wesentlichen bereits der heutigen Straßenführung der Bundesstraße 7. Die Verbindung von Obervellmar bis Calden wurde von 1794 bis 1799 ausgebaut, nach 1800 folgte der weitere Ausbau bis zur Paderborner Grenze. Die Straße zählte zu den großen Landhandelswegen in Europa und gehörte zu den 13 kurhessischen Staatsstraßen 1. Ordnung. Sie führte von Kassel über Westuffeln nach Warburg, Paderborn, Münster, in das Rheinland und nach Holland (daher der Name). Die Verbindung von Berlin in das Rheinland und von Holland nach Frankfurt wurde über diesen Verkehrsweg hergestellt.

Der Malsburger Weg oder auf Platt "De Mahlsche Wäch" war die direkte Verbindung zur Malsburg und den Gütern im Warmetal, die kirchlich zeitweise zu Westuffeln gehörten. Die Herren von der Malsburg besuchten daher sonntags auch den Gottesdienst in Westuffeln und kamen mit der Kutsche über den Mahlschen Wäch nach Westuffeln. Der heutige Weg entspricht bis kurz hinter der Brücke über die B7 noch dem alten Verlauf, danach bog er nach Westen Richtung Warmetal ab. Der alte Weg wurde bei der Verkoppelung 1890 eingezogen, weil er nicht zum rechtwinklig angelegten neuen Wegenetz passte und seine historische Bedeutung auch schon lange verloren hatte.

Westuffeln war früher ein in sich geschlossenes Haufendorf. Über die alten Grenzen wuchs das Dorf erstmals in den 1920er Jahren hinaus, als die ersten Häuser im Mahlschen Wäch erbaut wurden. Vorrangig bauten hier Arbeiter mit Hilfe von Staatsdarlehen, die bis dahin in Mietshäusern der Bauern gewohnt hatten. Sie konnten sich so wirtschaftlich unabhängig machen. In dieser Zeit wurden auch viele Scheunen am Ortsrand oder abseits des Dorfes gebaut. Die aufkommende Inflation brachte merkwürdige Situationen mit sich. So ist bekannt, dass ein Anwohner mit dem Verkauf einer einzigen Kuh den Kredit seines neu gebauten Hauses auf einmal ablösen konnte.

Aus der Lehmgrube, in der Mundart die "Leimkuhle", am westlichen Ortsrand holten die Einwohner in alten Zeiten das nötige Lehm oder Leimen, um die Gefache der Fachwerkhäuser auszufüllen. Der Lehm ist zwischen den Eiszeiten entstanden, als hier Steppenklima herrschte und die starken Steppenwinde riesige Staubmengen mit sich führten. Diese setzten sich in der Pflanzenwelt ab, die Pflanzen wuchsen wieder hindurch und die Schicht wurde immer höher, bis sie die heutige Mächtigkeit und Festigkeit bekam. Der Löß-Lehm besteht aus Sand, Ton und Kalk und ist durch Eisenoxyd gelb und braun gefärbt. In der Leimkuhle hier hatte die Lehmschicht eine Stärke von etwa drei Metern.

In den Gefachen der Fachwerkhäuser wurden Weidenstöcke aufgestellt und dann mit einem Gemisch aus gehacktem Stroh und Lehm aufgefüllt. Als keine Fachwerkhäuser mehr gebaut wurden, hatte auch die Lehmgrube ihre Aufgabe weitgehend verloren. Allerdings wurde noch etwas Lehm benötigt, um die Gefache der vorhandenen Fachwerkhäuser oder auch Schamottsteine von Öfen instand zu halten. Mit Wickelbohlen wurden Geschossdecken gebaut. Dazu umwickelte man Holzbohlen mit Stroh und Lehm. Auf Arbeiten mit Lehm waren in Westuffeln Christian und Heinrich Sauerland, der auch als Weißbinder und Totengräber arbeitete, spezialisiert.

Die Leimkuhle am Mahlschen Wäch wurde auch nach dem Krieg noch genutzt, es waren noch Wände von zwei Metern Höhe vorhanden. Lehm für Geschossdecken bei Neubauten wurde bis in den 1960er Jahren noch aus der Leimkuhle geholt. Doch der Lehm verlor zusehends an Bedeutung für den Hausbau – bis die Leimkuhle gar nicht mehr gebraucht wurde. Die Dorfkinder nutzten sie als Spielplatz und bauten Hütten in die Steilwände des verlassenen Geländes. 1974 wurde das Dorf grundlegend umgestaltet, Tränke und Gänsehute wurden verfüllt und auch die Leimkuhle wurde endgültig aufgefüllt. Das Gelände wurde zunächst als Wiesen- und Gartenland genutzt, heute ist es bebaut.



4. Station: Heerberch, Bäckerpohl, Dränke, Hinger der Kerke

Der Heerberch heißt übersetzt „Hirtenberg“. Die von der Gemeinde beschäftigten Hirten gehörten zu den ärmeren Dorfbewohnern und wohnten im Heerhuus, das dort stand, wo heute die Scheune der Familie Scheidler in der Schulstraße steht. Dieses Haus war früher das Armenhaus der Gemeinde Westuffeln.

Am „Bäckerpohl“ hat das Backhaus der Gemeinde gestanden. Alle Dorfbewohner, die nicht über ein eigenes Backhaus verfügten, hatten hier die Möglichkeit, ihr Brot und ihren Kuchen zu backen. Im Allgemeinen waren die Backhäuser in den Dörfern auch soziale Treffpunkte, hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht und vielleicht auch Geschichten erzählt, die nicht so ganz der Wahrheit entsprachen. Das dürfte in Westuffeln nicht anders gewesen sein. Der Namensbestandteil „Pohl“ heißt im Hochdeutschen „Pfuhl“, also eine feuchte, morastige Stelle.

Hinter dem Bäckerpohl floss bis 1974 die Dränke, ein Mühlgraben, der über mehrere Jahrhunderte die Dorfmühle antrieb. Zur Erinnerung an diesen Wasserlauf gibt es an der Ecke zur Grebensteiner Straße auch ein entsprechendes Straßenschild.

Schließlich wird der Weg nördlich der Kirche „Hinger der Kerke“ also „Hinter der Kirche“ genannt. Hier wohnte früher die Familie Käckel und die Schreinerei Finis (Karwillemes) hatte hier ihren Sitz.



5. Station: Schmidtgatze

Einen Teil der heutigen Freiherr-vom-Stein-Straße nannte man früher „Schmidtgatze“ oder auf Hochdeutsch „Schmiedegasse“. Wer in diese Gasse kam, kam gleich an mehreren Hufschmiedewerkstätten vorbei. Wo wir hier gerade stehen, hatte der Hufschmied Keuch und weiter unten an der Tränke Schmiedemeister Thielemann, später Hold seine Werkstatt. Durch den Betrieb auf der Holländischen Straße mit Pferdefuhrwerken, Postkutschen und –reitern gab es entsprechenden Bedarf an Hufschmiedearbeiten. Die Familie Keuch ist Ende des 19. Jahrhunderts nach Südafrika ausgewandert. Es gibt noch Nachkommen, die zum Dorffest 2004 hier in Westuffeln waren und zu denen wir bis heute Kontakt haben.



6. Station: Gatze, Rehberch, Im Wäge

In der Gatze – oder auf hochdeutsch einfach nur „Gasse“ – sorgte der angrenzende Friedhof sorgte für einige schaurige, aber auch amüsante Spinnstubengeschichten:

Obwohl die Westuffelner in alter Zeit sicher mehr in die Kirche gingen als heute, so waren sie doch auch abergläubischer: So ging eines Morgens ein Tagelöhner zur Feldarbeit. Weil er vor den Hagen wollte, musste er dabei durch die Gatze an der Friedhofsmauer entlang gehen. An der Friedhofsmauer waren einige hohe Hagebuttenbüsche (Platt: Hajepen) gewachsen, die durch den Morgentau heruntergedrückt wurden. So blieb die Mütze des Tagelöhners in den Hajepen hängen, dieser aber glaubte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen und der Heilige Geist hätte ihm vom Friedhof aus die Mütze abgenommen. So nahm er, ohne sich weiter umzusehen, schnell Reißaus und musste den ganzen Tag die Feldarbeit ohne Mütze verrichten. Nach Feierabend kehrte er ins Dorf zurück und sah dann seine Mütze in den Hagebuttenbüschen an der Friedhofsmauer hängen. Erleichtert konnte er seine Mütze wieder aufsetzen und war froh, dass der Sensenmann ihn nicht geholt hatte.

Gatzens Moritz-Vedder (Moritz Zuschlag) stellte öfter Marderfallen auf seinem Hof und auch auf dem angrenzenden Friedhof auf. Bevor er abends zu Bett ging, schaute er noch mal die Fallen nach, ob er vielleicht einen Marder gefangen hatte - auch auf dem Friedhof. Sein Freund und Nachbar wusste dies und versteckte sich eines Abends mit einem weißen Laken über dem Kopf hinter einem Busch. Als Moritz Zuschlag die Falle nachgesehen hatte, lief sein Nachbar als Gespenst hinter ihm her und rief "Huu, Huu". Moritz Zuschlag nahm daraufhin einen Knüppel vom Wagen, stellte sich dem Gespenst drohend entgegen und rief: "Biste wat Himmlisches, denn kastet verdreegen!" (Bist Du was Himmlisches, dann kannst Du es vertragen.) Da ließ der Nachbar das Laken schnell fallen und sagte: "Har uppe, ick sied doch!" (Hör auf, ich bin es doch.")

Das Teilstück der Holländischen Straate von hier bis zum östlichen Ortsausgang bezeichnet man als „Rehberch“. Die Bedeutung dieses Begriffs haben wir noch nicht ermitteln können, es kennen ihn auch nur noch Wenige.

Die Grebensteiner Straße wird von hier bis zur früheren Tränke-Brücke „Im Wäge“, also „Im Wege“ genannt. Dies ist abgeleitet von der früheren Bezeichnung „Grebensteiner Weg“. Ein anderer Straßenname ist "Alte Mündener Straße", die als Nebenstraße der Holländischen Straße in der Region eine gewisse Bedeutung hatte.



7. Station: Mengeföhre, Burch, Kohdrift

Wir sind soeben durch die Mengeföhre gegangen. Die Menge ist ein Gemarkungsteil östlich der bebauten Ortslage und nördlich der Nebelbeeke. Hier war früher die Große Gemeindewiese. Um dorthin zu gelangen, mussten die Westuffler eine Furt, auf Platt „Föhre“, der Nebelbeeke durchqueren. Die flache Stelle der Nebelbeeke konnte leicht befahren werden. Später wurde eine Brücke gebaut. Die Mengeföhre war gepflastert und damit die erste befestigte Straße in Westuffeln.

Das Siedlungsgebiet entlang der Grebensteiner Straße und am Wattberg wird als „Burch“ bezeichnet, auf hochdeutsch „Burg“. Warum dieser Bereich so genannt wird, ist unbekannt. Sicher ist nur, dass hier keine Burg gestanden hat, diese wäre sicher urkundlich erwähnt worden. Der Name Wattberg lässt allerdings darauf schließen, dass auf diesem Berg ein Wartturm der alten Landwehranlage gestanden hat. Vielleicht hat dieser Turm oder später seine Ruine die Dorfbewohner an eine Burg erinnert.

Vor dem Krieg standen hier an der Grebensteiner Straße nur wenige Häuser, dazu gehörten die Häuser Schäfer, Höhmann/Eckersberg und Reinhardt sowie die Scheune Humburg. Noch bis kurz vor dem 2. Weltkrieg plante die Gemeinde Westuffeln an der Grebensteiner Straße auch ein neues Schulgebäude etwa 200 Meter vor dem Dorf, das die alte Schule am Kirchplatz ablösen sollte. Ein großes Baugrundstück war bereits ausgesucht, Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung und der Kriegsausbruch verhinderten jedoch die Realisierung.

Nach dem Krieg kamen zunächst die Häuser Müller, Käckel/Fiegehenn und Kloppmann sowie Groß an der Kohdrift hinzu. Nach und nach füllte sich der Siedlungsbereich, Baulücken wurden geschlossen. In der Wattbergstraße richtete Familie Finis in einem Zimmer ihres Hauses einen kleinen A&O-Einkaufsladen ein. Kaufmann Glißmeyer baute am Ende der Grebensteiner Straße ein Gebäude als Lager für sein Geschäft. Nachdem er den Einkaufsladen "Reinhardt & Glißmeyer" an der Tränke aufgegeben hatte, baute er das Gebäude zum Wohnhaus um. Direkt unterhalb des Wattberges baute Förster Barndt und legte dort einen großen Garten an, der später in weitere Bauplätze geteilt wurde.

Die Kohdrift, auf Hochdeutsch Kuhtrift, bezeichnet den Weg, den der Kuhhirte in alten Zeiten mit den Kühen zu den Hute- und Weideflächen in der Struth, im Wattbergsgrund, der Rehbreite und im Langenberg aufgesucht hat. Eine Trift bezeichnet im Allgemeinen den vom Vieh benutzten Weg zwischen Weideland und Stall. Die Kuhtrift war nach der Gebietsreform zunächst noch offizieller Straßenname und wurde erst später in Brunnenweg umbenannt, nachdem sich der Mineralbrunnen hier angesiedelt hatte.



8. Station: Up der Wohrt, Kleene Wange

Die Grundstücke in der Nähe der Bremer Straße bezeichnet man als "Up der Wohrt". Hier waren vor der Bebauung mit Wohnhäusern Gärten angelegt. Als "Wohrt" bezeichnet man im Allgemeinen eingefriedete Grundstücke in Dorfnähe. Vermutlich hat es hier also auch in alten Zeiten schon Gärten gegeben.

Die „Kleene Wange“ oder "kleine Wange" sind die Flurstücke vor der Struth zwischen Schulstraße – also der Wange – und Sprudelfabrik. Der Begriff "Wange" leitet sich vermutlich von "Gewanne" ab, Gewanne sind langgezogene schmale Flurstücke. Das Baugebiet westlich der Schulstraße ist also sozusagen die „Große Wange“, auch wenn dieser Begriff so nicht üblich war und ist.



9. Station: An der Wise, Im Fuhlloche

Das Teilstück der Freiherr-vom-Stein-Straße vom Mühlenweg bis zur Bremer Straße nennt man wegen der benachbarten großen Wiese „An der Wise“. Auch die Familie Hold, die hier lange Zeit zu Hause war, hatte den Beinamen „Holds an der Wise“ zur Unterscheidung von den anderen Familien Hold in Westuffeln. Die alte Trafostation in diesem Bereich wurde ebenfalls „Station Wiesenweg“ getauft, entsprechende Schilder sind im oberen Bereich der Anlage noch vorhanden.

Im Fuhlloche oder im Fuhlen Loch, auf Hochdeutsch: Faules Loch, bezeichnet man den heutigen Mühlenweg und das Teilstück der Freiherr-vom-Stein-Straße von der Tränkebrücke bis zum Mühlenweg. Der ungewöhnliche Name rührt daher, dass hier die tiefste Stelle der alten Ortsbebauung ist. In der Schulchronik hat Lehrer Vial Folgendes festgehalten: „Wenn die tieferliegenden Lehme viel Grundwasser aufnehmen, so entstehen die sogenannten Trieblehme, wie sie in dem am tiefsten liegenden Dorfteile, dem "Faulen Loch", bei Reparaturarbeiten an der Wasserleitung zu beobachten waren. Durch das Einrutschen der Gräben wurden die Arbeiten sehr erschwert.“ Nicht nur das Grundwasser bereitete hier Probleme, auch die Tränke führte immer wieder Hochwasser mit sich und setzte das Fuhlloch unter Wasser.



10. Station: Brookkamp, Abschluss, Einkehr Westuffler Hof

Der Spiel- und Bolzplatz ist ursprünglich der Brookkamp. Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Brook heißt auf Hochdeutsch „Bruch“ und bezeichnet ein sumpfiges, staunasses Gelände. Die zweite Silbe „Kamp“ stammt vom lateinischen campus für „Fläche“, „Feld“, „Flur“ oder „Ebene“. Man könnte Brookkamp also mit „Bruchfeld“ übersetzen. Der Begriff Kamp ist erst seit dem Jahr 1100 nachweisbar und war im Mittelalter ein „Modewort“ für jeden neugewonnenen Acker. Ein Kamp war oft durch Hecken oder Erdwälle eingefriedet und wurde im mehrjährigen Wechsel als Weide oder Acker genutzt. Der Kamp war zehntfrei und unterlag nicht dem Flurzwang.

Hier wurde früher auf der sogenannten Bleeke die Leinenwäsche zum Bleichen ausgelegt und das Wasser aus dem "Brookborn" wurde für das Befeuchten der Wäsche genutzt. Dieser Brunnen war übrigens ein besonderer, denn den Kindern im Ort wurde früher erzählt, dass der Klapperstorch die kleinen Babys aus diesem Brunnen holen würde. Viele ältere Dorfbewohner erinnern sich noch daran, dass sie deshalb als Kinder öfter neugierig in den Brunnen geschaut haben und erschraken, wenn sie gesehen hatten, dass sich etwas bewegte. Vermutlich waren es aber nur Frösche, denn Frösche gab es reichlich auf dem Brookkamp.